DIE  HAUPTAUFGABE  IM  DHS

Ununterbrochene
L U F T R A U M A U F K L Ä R U N G
und gegenseitige Benachrichtigung über den anfliegenden Luftgegner beim Überflug
der Linie
KOSZALIN - Koordinaten 55 25';16 30' - ROENNE - TRELLEBORG - SCHLESWIG - BREMERVÖRDE - STADTHAGEN - BRILLON - WETZLAR - FRANKFURT/Main - BAD MERGENTHEIM - SCHWANDORF - PILZEN
in Richtung DDR,
sowie beim plötzlichen Auftauchen innerhalb des durch diese Linie begrenzten Raumes.
Ortung, Identifizierung und Benachrichtigung von
strategischen Aufklärungs- und Bombenflugzeugen, von Retranslationsflugzeugen und
Flugzeugen des Systems AWACS
sowie von Luftfahrzeugen im Überschallbereich und
in extremen Höhenbereichen
mit gefährlichem Kurs auf die Staatsgrenze der DDR
im gesamten Auffassungsbereich der Funkmessmittel

Quelle : Befehl 90/85 des StvMfNV und Chef LSK/LV

Grundlage für die Erfüllung der 1. Hauptaufgabe des Befehls 90 war eine genaue Kenntnis der, in unserem Raum der Verantwortung,
dislozierten Fliegerkräfte der NATO, deren Flugplatzräume, Flugzeugtypen, Geschwader- und Staffelnbezeichnungen, Bewaffnung
und Ausrüstung, Flugparameter, Aufklärungsstrecken und -zonen - kurz alles, was für eine effektive Luftverteidigung notwendig war.
Hauptinformationsquelle dafür bildete die Aufklärungsinformation 1 des jeweiligen Jahres,
so zum Beispiel die
AI 01/89 für das Jahr 1989. Dort waren alle aktuellen Aufklärungsergebnisse zu den NATO- Fliegerkräften,
deren taktisch-technischen Parameter, Bewaffnungs- und Ausrüstungsvarianten der Flugzeuge, bis hin zu den Namen der
Geschwaderkommandeure und den geplanten Vorhaben des Jahres gelistet.
Diese wurden dann mit der täglichen Aufklärungsinformation konkretisiert, so dass ständig ein ziemlich genaues Bild von den
uns gegenüberliegenden Kräften möglich war.
Das betraf insbesondere Angaben zur
2. und 4. ATAF, zur 3. USAF, zu den als Verstärkungsmittel bei REFORGER
geplanten doppeltbasierten Staffeln der USAF, aber auch der Luftstreitkräfte der benachbarten NATO-Staaten,
wie Belgien, Niederlande, Frankreich und Dänemark und Norwegen. Darüber hinaus gab es unzählige Ausbildungsunterlagen und
Materialiien zum "Luftgegner", wie Dia-Sätze zur Flugzeugerkennung, Flugzeugdatenblätter oder Studienmaterialien zur Taktik.
Die Dokumente zu den Aufklärungsinformationen waren immer
GEHEIM eingestuft, da man dem Gegner nicht preisgeben wollte,
was man wirklich über ihn wusste.

Es gab in den FuTT der NVA keine Identifizierungsgruppe wie im Radarführungsdienst der Bundeswehr nach NATO-Standart.
Der DGS als Luftlageoffizier (DGS) hatte die Identifizierung seiner Luftlage selbst durchzuführen.
Er hatte dazu aber
KEINE Flugplanbasis oder etwa andere Hilfsmittel, auch kein IFF/SIF, da ja bei den Militärfliegern des
Warschauer Vertrages mit dem russischen Kennungssystemen KREMNIJ 2 und PAROL gearbeitet wurde.
Was der DGS für seine Aufgabenerfüllung benötigte, war ein gutes Auge, und seine eigenen Kenntnisse in Bezug auf die Mittel
und Möglichkeiten des vermeintlichen Luftgegners, sowie umfangreiche, wenn möglich langjährige Erfahrungen in der Beurteilung
eines Primärradarbildes. Aufklärungsflugzeuge konnten nur identifiziert werden, wenn man sie nach Möglichkeit gleich beim Start
von ihrer Basis weg ortete, sie anhand ihrer Steigrate, ihrer Fluggeschwindigkeit, den Anflug auf Standartstrecken oder das Besetzen
von Standartzonen identifizieren konnte. Als Voraussetzung dazu waren genaue Kenntnisse der taktisch-technischen Daten der
Flugzeuge, ihrer Ausrüstung, sowie ihreer Standartflughöhen und Standartgeschwindigkeiten, entsprechend des speziellen
Auflärungsauftrages nötig und man musste die Basierungsräume immer im Blick behalten.
Selbst die das Aussehen und Art der Veränderung des Zielzeichens (Radar-Blips) im Kurvenflug gab Aufschluss über den Flugzeugtyp.
Alles in allem eine schwierige Sache, an der aber immer die Erfüllung oder Nichterfüllung des Auftrages hing.
Um die dabei gemachten Erfahrungen weiterzuvermitteln, wurden alle Besonderheiten in der Luftlage auf einem Dokumentationsblatt
festgehalten oder mit der sogenannten
"Objektiven Kontrolle" dokumentiert.
Als
"Objektive Kontrolle" bezeichnete man eine Fotokamera vom Typ EXA1b, die mit einer Halterung an einem Primärsichtgerät
in jeder Rundblickstation installiert war. Zusätzlich dazu gab es noch ein
indirekt beleuchtetes Tableau mit dem aktuellen Datum
und einer
Uhr mit Leuchtzeiger, mit dem die Zeit der Aufnahme identifiziert wurde. Mit dieser Einrichtung wurden,
mit jeweils
10' Dauerbelichtung pro Bild, Besonderheiten in der Luftlage fotodokumentiert.

                

Zur Ausbildung der Funkorter der Rundblickstationen wurden Standartstrecken auf Folien aufgezeichnet und per Polylux
(heute : Overheadprojektor oder ProKi) im Rahmen der
Schichtanweisung anschaulich gemacht.
Ein paar solcher Folien von damals haben sich noch in meinem Keller gefunden :


 Auf dieser Folie dargestellt sind :
Die Aufklärungsstrecken der US-ARMY - Aufklärer vom Typ
OV-1D MOHAWK von Echterdingen (HAWK E) und von
Wiesbaden (HAWK W) (je 14 Stück OV-1D und 6 RV-1D) in der
Regel in 3500 m Flughöhe mit ca. 300 km/h auf ihren SLAR-
Aufklärungsstrecken (auch Infrarot) für das V. und VII. US-Army
Corps entlang der DDR- und CSSR-Grenze.
.

.
... und die Aufklärungszonen A bis D der Aufklärer vom Typ RC-12 GUARDRAIL (NATO : ERIC) von den gleichen Standorten aus (je 6 Stück), in ca. 6500m Flughöhe mit ca. 300 km/h. Die RC-12 waren
der Ersatz für die RC-130-Aufklärer, die zuvor in etwa die gleichen Zonen beflogen.
.
 


Auf dieser Folie dargestellt sind :
Die Aufklärungsstrecken der RF-4 C/E PHANTOM vom AG-51
Bremgarten (BRD), dem 26. AG Zweibrücken (USA) und vom AG-52
Leck (BRD) entlang der DDR- und CSSR-Grenze in ca. 8000-12000 m Höhe und im knappen Unterschall-Geschwindigkeitsbereich.
Das AG-52 hatte noch Aufklärungsstrecken über dem Baltikum,
ausserhalb unseres Auffassungsbereiches, deshalb nicht dargestellt.



Die RF-4 vom Zweibrücken und Bremgarten bereiteten uns öfter Schwierigkeiten, da ihr Anflug an die Staatsgrenze in der Regel
radial zum Standort unserer Radars erfolgte. Das bedeutete, dass
die elektromagnetische Energie genau von vorne auf das Flugzeuge auftraf, wo die effektive Reflexionsfläche am kleinsten war. Das bedeutete, dass die Maschinen, die in der Regel immer im Paar flogen, oft erst sehr spät von den Funkmessstationen erfasst und
als Besonderheit erkannt wurden. Der Übergang der
diensthabenden FRA aus der Bereitschaftsstufe 1 zur Feuerbereitschaft (3 Minuten), ausgelöst wegen des
Direktanflugprofiles an die Staatsgrenze, erfolgte deshalb
manchmal sehr spät ! ... aber ...
Wir lieferten der RF-4 immer ein breites Elo-Auflärungsspektrum !


Auf dieser Folie dargestellt sind :
Die Anflug- und Streckenvarianten der U-2 bzw. TR-1 "DRAGON
LADY" von ihrem Basierungsflugplatz in Alconbury (12 Stck.) mit
einer Flughöhe
von 18-20 km und einer Geschwindigkeit von 700
km/h. Die Entfernung der Aufklärungsstrecke zur innerdeutschen
Grenze war bestimmt von der benötigten Aufklärungstiefe. Im
Rahmen der jährlichen Herbstmanöverserie  "Autumn Forge" und
da besonders in
der Luftwaffenübung "Cold Fire" wurden teilweise
abweichende
Flugstrecken geflogen.



 



      


Auf dieser Folie dargestellt sind :
 Die Zonen der NATO-E-3A "SENTRY" aus dem AWACS-Verband
in
Geilenkirchen in 8500 m Höhe mit einer Geschwindigkeit von
 ca. 600 km/h sowie die
SR-71 "BLACK BIRD" aus Mildenhall (jeweils 2 Stck. auf der FOB) mit einer Flughöhe von 18-21 km
und einer Geschwindigkeit von 3200 km/h. Sowie der
RC-135
"RIVET JOINT" aus Mildenhall (3-4 Stück auf der FOB)  in 7500 m Höhe und einer Geschwindigkeit von ca. 850 km/h.
 Zur SR-71 gibt es noch zwei gesonderte Seiten.
.




 

Bilder sind Auszug aus einem Auskunftsmaterial der NVA - mit freundlicher Genehmigung von Jens Gebert

 
         

Das Standartwerk ("Die Bibel") zu den NATO-LSK war aber "ziviler" Natur und nicht VS-eingestuft. Es war teilweise viel konkreter
als die militärischen, geheimen Aufklärungsinformationen zum Luftgegner und deren Updates.
Wir hatten ein "Dienstexemplar" dieses Buches von der ersten Ausgabe aus dem Jahre 1985.
Man sprach davon, dass der Verkauf kurz nach dem Erscheinen gestoppt wurde, weil zusammengestellte Information zum Gegner
ja eigentlich als Verschlusssache einzustufen waren .... aber es war kurze Zeit später (aus welchen Gründen auch immer)
wieder auf dem Büchermarkt zu haben. Ich besitze die 3. aktualisierte Auflage von 1989 - 552 S. : 223 Abb..




Quelle : Buch "Die Streitkräfte der NATO auf dem Territorium der BRD" von Dr. sc. Wolfgang Weber
Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1985, ISBN 3-327-00040-9